
New York, Hamburg (dpo) - In der internationalen Feuilleton-Landschaft wurde 'Afghan War Diary', das neue Werk der Künstlergruppe WikiLeaks, beinahe durchgängig verrissen. Insbesondere US-amerikanischen Kritikern ist das Kriegsepos ein Dorn im Auge. Doch was steckt wirklich dahinter? Der Feuilleton des Postillon hat zusammen mit der renommierten New York Times Book Review die wichtigsten Kritikpunkte sowie einige wenige positive Elemente des Mammutwerkes herausgearbeitet:
1. Länge: 'Afghan War Diary' ist dafür, dass sich in der beschriebenen Zeitperiode so gut wie nichts ändert, mit 76.911 Seiten eindeutig zu lang. Tolstois 'Krieg und Frieden' oder Manns 'Buddenbrooks' erscheinen gegen diesen Schmöker wie Kurzgeschichten.
2. Sprache und Stil: Sprache und Stil sind viel zu nüchtern und militärisch. Zahlreiche Abkürzungen und Fachbegriffe erschweren den Lesegenuss und lassen keine echte Spannung aufkommen. Für die deutsche Übersetzung wäre ein Glossar hilfreich.

4. Stimmung: Die Stimmung ist durchweg düster und passt zum fehlenden Happy End (siehe 7. Ende). Positiv hervorzuheben ist, dass es keine klaren Trennlinien zwischen Gut und Böse gibt. Pakistan etwa kämpft sowohl für als auch gegen die Taliban. Die sogenannte Task Force 373 tötet nicht nur Feinde, sondern auch Zivilisten.

6. Dramaturgie: Ein Höhepunkt fehlt völlig, stattdessen wird alles nur immer schlimmer.
7. Ende: Das Ende ist offen. Vermutlich wollte WikiLeaks die Möglichkeit wahren, einen Fortsetzungsroman zu veröffentlichen.
